Meerschweinchen

kleine Freunde oft verkannt


Meerschweinchen gehören zu den ältesten Haustieren. Schon vor 3.000 bis 6.000 Jahren lebten sie im südamerikanischen Hochland in Gemeinschaft mit Menschen und bis heute werden sie in den Gebirgsdörfern der Anden ähnlich gehalten wie schon seit Jahrtausenden. Für die Menschen dort bedeuteten sie die Hauptquelle des tierischen Eiweißes, und trotzdem weiß man heute, dass das Meerschweinchen nicht nur aus diesem Grund gehalten wurde, sondern auch aus einer Zuneigung heraus.

Nach Europa gelangte das Meerschweinchen bald nach der Entdeckung Amerikas. Vor allem spanische Seefahrer und holländische Kaufleute brachten es mit und züchteten es weiter.

Heute ist es in unseren Breiten ein beliebtes Heimtier in Haushalten mit Kindern. Einen traurigen Siegeszug hielt es aber leider auch in einem ganz anderen Bereich: es ist kaum wegzudenken in der Forschung.

In der freien Wildbahn leben Meerschweinchen in kleinen Rudeln, in denen sie ein ausgeprägtes Sozialverhalten zeigen. Meist lebt ein Männchen mit mehreren Weibchen, die untereinander eine feste Rangordnung ausbilden. Auch jüngere bzw. rangniedrigere Männchen können in dieser Gemeinschaft leben, so lange das Raumangebot so groß ist, dass sie ausweichen können. Sie sind lebhafte und bewegungsfreudige Tiere, die durch ständige Stimmfühlungslaute miteinander in Kontakt bleiben und in kritischen Situationen gegenseitige Nähe suchen. Als Nestflüchter können sie bereits kurz nach der Geburt laufen, sich putzen und sogar feste Nahrung aufnehmen. Ausgewachsene Meerschweinchen wiegen etwa 800 g – 1.000 g und haben eine Lebenserwartung von 6 – 8 Jahren. Und so lebt das Meerschweinchen bei uns:


Meerschweinchen in der Hobbyzucht
Aus der Wildform wurden bis heute etwa 50 Rassen entwickelt, die sich in Farbe und Haarstruktur unterscheiden. Man kann grob zwischen drei Varianten unterscheiden: dem Glatthaar-Meerschweinchen, dem Rosettemeerschweinchen und dem langhaarigen Peruaner oder Angora-Meerschweinchen. Wie bei anderen Tierarten, gibt es, was das Wohlbefinden der Nachkommen betrifft, auch beim Meerschweinchen Probleme mit Erbkrankheiten in manchen Zuchtrichtungen. So ist es bekannt, dass Zuchtlinien des so genannten Satinmeerschweinchens, das sich durch ein extrem glänzendes Fell auszeichnet, an einer Knochenkrankheit, der Osteodystrophie, leidet.

Der Glanz entsteht dadurch, dass jedes einzelne Haar am Schaft hohl ist. Damit geht aber eine Stoffwechselstörung einher, bei der dem Knochen das Kalzium entzogen wird, sodass das gesamte Skelett allmählich weich und instabil wird. Einige Tiere zeigen Probleme beim Laufen. Andere haben Probleme beim Fressen, weil bei ihnen die Kieferknochen betroffen sind. Die Krankheit ist nicht heilbar, das Endstadium ist mit großen Qualen verbunden.

Andere Rassen, wie das Dalamatiner- und das Schimmelmeerschweinchen, tragen Letalfaktoren, was bei entsprechenden Anpaarungen zum Tod der Nachkommen führt.

Auch Züchtungen mit ausgesprochen langem Fell, bei denen mitunter nur schwer zu erkennen ist, an welchem Ende sich der Kopf befindet, sind aus tierschützerischen Gründen abzulehnen, weil die Tiere in ihrem Bewegungsrepertoire eingeschränkt sind. Die von Natur aus sehr sauberen Tiere, die mehrmals täglich ihr Fell reinigen, sind kaum in der Lage, es überall zu putzen.

Anpaarungen, bei denen damit gerechnet werden muss, dass die Nachkommen leiden, sind darum nach unserem Tierschutzgesetz verboten!

Hobbyzüchter, die Ausstellungen besuchen, sollten darüber hinaus daran denken, dass jeder Umgebungswechsel und jede Veränderung in der sozialen Struktur einer Gruppe für die Tiere eine neue Stresssituation darstellt und dies bei der Reise- und Terminplanung unbedingt berücksichtigen.


Meerschweinchen als Versuchstier
Mit der Entwicklung der biologischen und medizinischen Wissenschaften in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Meerschweinchen bevorzugt als Versuchstier gezüchtet und genutzt. Eingesetzt wurde es insbesondere in der Züchtungsforschung. Gefragt ist es auch heute noch wegen seiner Sensibilität auf Infektionen und einem hohen Zoonosen-Potenzial (als Zoonosen bezeichnet man Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragbar sind).

Weiterhin sind ihre ausgeprägten Sinneswahrnehmungen für die Forschung attraktiv. Sie unterscheiden Farben, haben einen sehr ausgeprägten Geruchssinn (Wahrnehmung von 100 bis 1000-mal geringeren Duftkonzentrationen als der Mensch), sind tastfähig, und können mit Geräuschwahrnehmungen im Bereich von 100 bis 50.000 Hertz im Vergleich zu etwa 15.000 Hertz maximal beim Menschen sehr gut hören.

In den letzten Jahren belief sich die Zahl der für Forschungszwecke genutzten Meerschweinchen in Deutschland auf etwa 42.000 jährlich.



Meerschweinchen als Fleischlieferant
Der Vollständigkeit halber sei genannt, auch wenn diese Art der Meerschweinchenhaltung in unseren Breiten keine Rolle spielt, dass das Meerschweinchen in weiten Teilen Südamerikas weiterhin für die menschliche Ernährung genutzt wird. Eine intensive Form der Haltung, wie z.B. eine Käfighaltung, wie sie sich bei den Kaninchen durchgesetzt hat, hat zum Glück keine Verbreitung gefunden. Meist leben sie wie schon vor Jahrhunderten in Rudeln frei laufend in der Nähe der Küchen der kleinbäuerlichen Familien. Daneben werden sie auch in Gruben oder in Tiefstreuhaltungen eingestallt.


Meerschweinchen in der Heimtierhaltung
Alleinsein bedeutet für die geselligen Tiere ständigen Stress. Und dennoch wird die überwiegende Zahl der Meerschweinchen in der Heimtierhaltung einzeln gehalten, oft fehlt selbst ein einfacher Unterschlupf, in den sie sich verkriechen könnten. Die Beschäftigung mit dem Tier wird im Laufe der Jahre nicht selten auf die Fütterungszeit reduziert, was dazu führt, dass unsere kleinen Freunde schließlich gemütskrank in der Ecke sitzen. Wie oft hört man die Äußerung, Meerschweinchen seien langweilig, sie säßen nur in der Ecke, fräßen und schliefen. Aber was bleibt ihnen denn übrig? Wenn diese lebendigen und neugierigen Tiere sich so verhalten, dann sind die Tierhalter schon lange zuvor nicht ausreichend auf deren Bedürfnisse eingegangen. Liebevolle Tierfreunde wissen es und die Wissenschaft hat es bewiesen: viele Verhaltensweisen zeigen eine starke Abhängigkeit von den Haltungsbedingungen und der Sozialisation.

Meerschweinchen werden oft für kleine Kinder als „Einstiegstier“ gekauft. Es ist sicherlich richtig und wichtig, wenn Kinder durch Tierhaltung in der Familie frühzeitig die Übernahme von Verantwortung für Schützlinge lernen. Es ist aber unabdingbar, dass die Eltern dabei für das Wohlbefinden der possierlichen Tierchen Sorge tragen. Sie sind kein Spielzeug! Kinder sollten frühzeitig lernen, vor ihren kleinen Freunden Achtung und Respekt zu haben. Sie werden schnell feststellen, dass weniger abgestumpfte oder verängstigte Tiere ihnen auch mehr Freude bereiten.

Leider machen sich auch viele Hobby-Tierhalter vor der Anschaffung eines Meerschweinchens nicht genügend fachkundig. Oft mit fatalen Folgen. So kann eine falsche oder unregelmäßige Fütterung allzu leicht zu tödlichen Koliken führen, ungenügende Vitamin-C-Zufuhr zu Mangelerscheinungen oder Zugluft zu schweren Lungenentzündungen.


Darauf sollte man in der Meerschweinchen-Haltung achten:

Niemals ein Meerschweinchen einzeln halten.

Der Käfig muss einen Unterschlupf haben und möglichst strukturiert sein und häufig gesäubert werden.

Meerschweinchen dürfen niemals Zugluft, starker Sonneneinstrahlung und großer Kälte ausgesetzt sein.

Täglicher Auslauf, ob in der Wohnung oder im Garten sollte selbstverständlich sein. Dabei muss aber darauf geachtet werden, dass das Meerschweinchen keinen Gefahren ausgesetzt ist (z.B. Stromkabel, offenen Türen, Hunde und Katzen).

Auf die Fütterung ist sorgfältig zu achten. Reichlich Rohfaser (z.B. Heu) ist wichtig für das empfindliche Verdauungssystem. Vitamin C muss regelmäßig zugeführt werden, sei es durch Frischfutter oder Ergänzungspräparate. Kohl und andere blähende Nahrung ist zu vermeiden oder nur in geringen Mengen zu geben. Rasche Futterwechsel können krank machen. Als Nagetiere wollen sie knabbern, z.B an Mohrrüben, Weichhölzern oder im Handel erhältlichen Knabberstangen.

Auch eine regelmäßige Pflege der Tierchen ist wichtig. Nägel müssen geschnitten werden und das Fell auf eventuelle Verklebungen besonders in der Analgegend untersucht werden.

Tiere nie – wie manch einer es beim Kaninchen macht – am Nackenfell hochheben! Die Lunge kann gequetscht werden.

Im Krankheitsfall ein Tier nie mit Penicillin oder Tetracyclin behandeln! Es werden genau diejenigen Darmbakterien vernichtet, ohne die das Tier nicht leben kann.

Es ist übrigens eine Mär, dass das Geschlecht bei Jungtieren noch nicht erkannt werden kann. Immer wieder wird dies selbst in Fachgeschäften behauptet.

Meerschweinchen - keine Einzelgänger

Neben dem Zwergkaninchen ist das Meerschweinchen das beliebteste »Einsteigerhaustier«. Diese duldsamen und aktiven Tiere werden jedoch meist in viel zu kleinen handelsüblichen Käfigen gehalten, die den neugierigen Tieren wenig Möglichkeit geben, sich ausreichend zu beschäftigen. Im Internet finden sich viele Ideen, wie man einen optimalen Meerschweinchen-Käfig mit einfachen Mitteln selber bauen und ausstatten kann. So sollten neben einer großen Fläche zur Bewegung auch mehrere Verstecke sowie Nagemöglichkeiten angeboten werden.

Besonders wichtig ist für das Meerschweinchen die Anwesenheit eines Artgenossen. Optimalerweise hält man einen kastrierten Bock und zwei oder mehrere weibliche Meerschweinchen. Auch gleichgeschlechtliche Gruppen verstehen sich meist sehr gut. Allein gehalten verkümmern viele Meerschweinchen und werden krank. Oftmals wird das Meerschweinchen mit einem Kaninchen vergesellschaftet. Aufgrund des völlig unterschiedlichen Sozialverhaltens, ist von einer solchen Kombination jedoch abzuraten.

Meerschweinchen jeder Altersklasse werden nicht nur in Zooläden und bei Züchtern angeboten, sondern sitzen zuhauf in Tierheimen und Nothilfen. Ist der Entschluss zur Anschaffung eines Meerschweinchenrudels gefallen, so sollte unbedingt zunächst in den umliegenden Tierheimen geschaut werden, in denen sicherlich Tiere jeder Altersklasse warten.

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